Projekt

9. November 2009. 20 Jahre nach dem Mauerfall. Deutschland feiert die damaligen Geschehnisse.
Und doch scheint das Unrecht in der DDR in den Hintergrund geraten zu sein. Im Fernsehen laufen Ostalgie-Shows. In der Politik wird gestritten, ob die DDR ein Unrechtsstaat war oder nicht. Eine leidige Debatte, wie das Schicksal von Mario Röllig zeigt. Sein Leben steht stellvertretend für eines der dunklen Kapitel in der DDR.

Ich treffe ihn zum ersten Mal im Jahr 2007. Es ist eine dieser seltenen Begegnungen im Leben, die in der Erinnerung auch nach Jahren nicht verblassen. Mario Röllig sitzt mir gegenüber und berichtet von seiner Haftzeit im Stasi-Untersuchungsgefängnis Berlin-Hohenschönhausen. Er erzählt schnell, an manchen Stellen zu schnell. Die Gedanken in seinem Kopf müssen rasen. Für Spiegel Online produziere ich anschließend eine Audio Slideshow – ein Videofilm, der tiefgehender wirkt, weil nur Fotos zu sehen sind. Mario Rölligs Schicksal geht mir auch danach nicht aus dem Kopf.

Zwei Jahre später im Herbst. Mario Röllig setzt sich inzwischen als Darsteller in einem Theaterstück
mit seinen Erlebnissen auseinander. Mit Erfolg. Er ist ruhiger geworden, scheint ausgeglichener zu sein.
Ich freue mich für ihn. Für die Augsburger Allgemeine schreibe ich eine Reportage.

Mit der Zeit reift die Idee, Rölligs Erlebnisse breiter darzustellen. Nur im Internet ist das möglich.
Das Multimedia-Projekt ist geboren. Der 20. Jahrestag des Mauerfalls gibt den passenden Anlass.

Innerhalb weniger Wochen setze ich die Website auf, überarbeite meine vor zwei Jahren veröffentlichte Audio Slideshow komplett und passe den aktuellen Zeitungsartikel onlinegerecht an. Dazu erstelle ich eine interaktive Zeitleiste für eine bessere Übersicht und eine Bildergalerie mit Text über das Stasi-Gefängnis.

Fabian Schweyher, 9. November 2009

Einzelnachweise für die einzelnen Kapitel